Frank Rossow

Reisen & Berichte

Tauchen im Süden von Cornwall an der Porthkerris Cove

Grüne Hügel, labyrinthartige Straßen und Sträßchen, atemberaubende Aussichten vom Lizard Point oder Lands End und Fische bunt wie in der Karibik. Taucherisch gibt es „alles“ was das Taucher-Herz begehrt. Hunderte von Wracks, Kelp-Landschaften, anspruchsvolle Tauchgänge und sehr viel Leben unter Wasser.

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Ausblick auf die Porthkerries Cove. Getaucht wird von Land oder mit einem der beiden Boote

Cornwall wir kommen

Schon seit Jahren hatten wir vor, irgendwann einmal nach Großbritannien zum Tauchen zu fahren. Meist zieht es einen eher in den sonnigen Süden und deshalb waren bislang die Gebiete in Frankreich Spanien, Italien oder Kroatien unsere bevorzugten Sommerurlaubsziele. Palmen, Strand, Sonne und warmes Wasser am Mittelmeer, dazu bunte Fische und relaxtes Tauchen, haben uns immer wieder veranlasst, bevorzugt dorthin zu fahren.

Jetzt, nach knapp zwei Wochen, einigen beeindruckenden Tauchgängen und vielen Ausflügen zu Lande, fragen wir uns, wieso wir nicht schon viel eher nach Cornwall gekommen sind, und ob wir zukünftig nicht viel häufiger das United Kingdom als Tauch-Urlaubsziel auswählen werden. Fische satt, Unterwasserleben im Überfluss und nicht weniger zu sehen, als im Mittelmeer vier Wochen zuvor – inklusive Palmen und Sonne – als das ist Cornwall.

Seit wir unseren Hund haben, fahren wir gerne mit dem Auto in den Urlaub und schätzen es, neben der kompletten eigenen Tauchausrüstung, einfach mehr einpacken und mitnehmen zu können als bei einer Flugreise.

Vor allem seit allein die Fotoausrüstung mit allen Objektiven die 20kg Marke sprengt. Wie uns das Wetter in Cornwall bewiesen hat, braucht man zudem ein breites Spektrum an Kleidung. D.h. neben Windjacke, Mütze und Regenkleidung sind auch Bikini, Badehose, Sonnencreme und Strandtücher ein unbedingtes Muss für das Reisegepäck.

Denn auch wenn der Tag stark bedeckt beginnt und ein leichter Nieselregen die „Taucher-Augen“ eher verdrießlich aus dem Fenster schauen lässt, kann es nach einiger Zeit bereits wieder sonnig und damit gut 10° C wärmer sein. So haben wir öfter das Haus bei leichtem Nieselregen und bedeckten 16°C verlassen, um dann am Mittag angenehme 24° C und strahlenden Sonnenschein zu haben. Natürlich ist auch alles in umgekehrter Reihenfolge möglich.

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Bucht von Porthkerris – die Autos parken oberhalb direkt am Strand

Infos Porthkerris Cove

Die Porthkerris Cove ist eine traumhaft gelegene Bucht im Süden von Cornwall – mit Campingplatz, unterschiedlichen Stellflächen für Zelte oder Wohnmobile und eigenen Apartments. Der Shop mit viel Tauchzubehör, großer Füllanlage bis 300 Bar und Nitrox- Verfügbarkeit liegt direkt am Kies-Strand. Hunde dürfen mitgebracht werden, eine Imbissbude mit leckerer Verpflegung ist auch vorhanden (die 7-Sins, Burger und andere Leckereien, wie Pulled Pork sind eine echte Offenbarung nach anstrengenden Tauchgängen).

Porthkerris Divers

Schwierigkeit einfach (Strand) – anspruchsvoll: Ausfahrten mit Freiwasser Abstiegen und Aufstiegen, Seegang
Sichtweiten 2 bis 15 m
Tiefe vom Land 1 bis 19 m, Ausfahrten bis 40m und mehr, viele Wracks liegen tiefer als 40m
Strömung je nach Gezeiten, leicht bis stark
Wassertemp. 10 °C bis 18 °C
Beste Zeit Mai bis September

Großfische mit Glück Basking Sharks, Delphine
Fische Lippfische, Zeus faber, Conger, Meerjunker
Korallen Hornkorallen
Wracks mehr als 20 in kurzer Zeit erreichbar
Höhlen
Steilwände Top Platz – Manacles Riff
Besonderheit Kelp, Sepia bei jedem TG, bunt, sehr viel Leben

Hotel/Resort Apartments ca. 200m vom Wasser
Camping eigener Campingplatz ca. 200 m vom Strand, Zelte direkt am Strand
Essen Geheimtipp Roskillys, Fat Apples Cafe, Imbiss am Strand
Strand Kiesstrand mit viel Platz
Nightlife St. Caverne, Pubs
Kultur Lands End, Lizard Point
„Must see“ Gärten, Burgen, St. Ives

Wo bitte geht es zur Porthkerris Cove?

Die Anfahrt zu der wundervoll gelegenen Bucht der Pothkerris Divers war Dank unseres Navis schon das erste Highlight. Unser Navi wählte die schnellste Route und so fuhren wir durch Windungen und Abkürzungen mit Schildern wie: „Unsuitable for wide Vehicles“ – also nicht befahrbar für größere Fahrzeuge. Da stößt man mit einem Maxi-Caddy auch schon einmal leicht an die Grenzen der Rangiermöglichkeiten. Kommt ein anderes Auto entgegen, muss man Not gedrungen oft mehrere Meter rückwärts zur nächsten Ausbuchtung kurbeln. Denn in Cornwall sind die Straßen auch mit einem Auto oft schon recht eng. TIPP: unbedingt die Postleitzahl fürs Navi benutzen. So findet man am besten einen gut fahrbaren Weg zu seinen Ausflugszielen

 

Wir waren positiv überrascht und fühlten uns direkt gut aufgehoben als uns Jo, die Chefin von Porthkerris, einen ausführlichen Überblick über die Möglichkeiten bot – und das, obwohl einige Gruppen von verschiedenen englischen Tauchclubs auf die Boote wollten und zusätzliche Schnuppertaucher, einige Tauchkurse, neue Gäste usw. sich anmeldeten. An den Wochenenden herrscht generell Hochbetrieb auf der Tauchbasis. Es ist dennoch nicht hektisch oder überlaufen, denn die Portkerries Cove bietet viele Ausweichmöglichkeiten. Die Crew um Jo und die Skipper sind zudem absolut entspannt und arbeiten unheimlich professionell.

Einfach traumhaft gelegen – hier bleiben wir

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Am großen Felsen vorbei geht es ins Wasser – wirklich lohnenswert sind die Landtauchgänge hier

 

Tauchen bei den Porthkerris Divern

Das Auto kann am Strand geparkt werden und Shore-Dives können je nach Lust und Laune eigenständig gemacht werden.

Porthkerris Cove: Stellflächen für Wohnmobile oder Zelte, Apartments für 2-4 Personen (2×2 Personen, 1×4 direkt nebeneinander liegend + 1×4 mit Eingang hinter dem Haus) oder ein Bungalow für Gruppen von 8 Personen – also insgesamt 20 Schlafmöglichkeiten
Porthkerris Divers

Shore Dives – Tauchgänge von Land aus in der hauseigenen Bucht, viel zu sehen, max. 18m Tiefe
Celtic Kitten – 8 Meter großes Boot, Aufzug als Ausstieg für einen Taucher, fährt je nach Bedarf bis zu 8 x am Tag raus, buchbar ab 2-4 Personen (30,- Pfund der TG)
The Kat – 15 Meter großes Boot, fährt nur für zwei Tauchgänge in einer Tour die weiterentfernten Plätze an, mindestens 6 Taucher oder ganze Gruppen bis 12 Taucher, (60 Pfund p. P.), Aufzug als Ausstieg für zwei Taucher

Shore Dive’s – Strandtauchgänge sind entspannt

Zum Einstieg und langsamen Einklingen machten wir am Montag einen ersten Shore Dive an der Pothkerries Cove.  Mit dem Auto um die Ecke der Bucht gefahren, Parken, in den Trocki steigen, Fotokamera unter den Arm geklemmt und knapp 30 Meter über den Kiesstrand gelaufen, um ins absolut ruhige Wasser einzutauchen.
Die Sicht ist mit 3-5 Metern recht bescheiden, aber direkt nach 3 Minuten kommt schon die erste Sepia kurz vorbei und zahlreiche Fische schauen durch den Kelp neugierig zu uns herüber. Überall kommen Lippfische neugierig an uns heran. Man kann gar nicht so schnell schauen und fotografieren, was einem da alles unter Wasser begegnet. Kleine Goby´s, Jungtiere vom Kabeljau, ein großer Pollack (Pollachius pollachius), verschiedene Lippfische und mehrere wunderschöne blau-rot gefärbte Männchen der Cuckoo Wrasse (Labrus mixtus), des Kuckuckslippfisch’s sind nur einige Beispiele.

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Zeus faber (Heringskönig) – Tags zuvor hatte es stark geregnet, die Sicht betrug knapp 2m

Mehrere Sepias bei dem ersten Tauchgang, unzählige Lippfische wie, Ballan Wrasse (Labrus bergylta), Rock cook (Centrolabrus exoletus), corkwing wrasse (Crenilabrus melops, Tompot blenny (Parablennius gattorugine), überall flitzen 5-8cm kleine Shanny’s (Lipophyrys pholis) zwischen den schwarz-grauen Basaltsteinen umher. Seeigel in blau, gelb oder weißen Farb-Tönen, Anemonen, eine mittelgroße Seespinne und der stattliche Kelp – wir sind beeindruckt von so viel Leben.

Bootstauchen – ein wenig Erfahrung sollte man mitbringen und seefest sollte man sein

Celtic Kitten
Wir gehen nach zwei schönen Landtauchgängen mit viel Fisch, aber überschaubarer Sichtweite aufs Boot, denn weiter draußen soll die Sicht spürbar besser werden. Das kleinere der beiden Boote der Pothkerries Divers, die Celtic Kitten, fährt mehrmals am Tag (je nach Nachfrage) für einen Tauchgang raus, um dann nach ca. 1,5 Stunden wieder zurück zu kommen.

Die Kitten fährt direkt auf den Strand, vorne klappt eine kleine Landungsbrücke aus, die wartenden Taucher stehen voll angezogen da und gehen an Bord. Die Anfahrt zu den nahe gelegenen Tauchplätzen dauert meist nicht länger als 10 Minuten. So können u.a. die Manacles, das Wrack der Mohegan, der Helford River und viele weitere Spots im Umkreis angefahren werden.

Leider hat sich das Wetter von absolut ruhig zu recht kabbelig geändert. Wie Dave der Skipper so schön formuliert:”both hands on the railing – it is a bit choppy today” – Beide Hände an die Reling, es ist ein wenig kabbelig heute. Na ja, was ein Skipper, der jeden Tag mehrmals raus fährt als kabbelig bezeichnet, kann für den verwöhnten Seetaucher schon hart am Limit bedeuten. Mein Sitznachbar lächelt mich nach einer besonders harten Welle an und presst ein:“ it is challenging today“ heraus – Wir wollen einen Drift Dive an den Manacles machen. Das bedeutet freier Abstieg auf 26 Meter, freier Aufstieg mit Boje inklusive.

Na dann los. Rein ins Wasser, schnell abtauchen, um von der Oberflächenströmung nicht zu weit

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Ende September sieht der Kelp schon recht „zerfleddert“ aus

abgetrieben zu werden. Auf 26m angekommen, gleiten wir ganz langsam an wunderschön mit Kelp bewachsenen Felsbrocken vorbei und entdecken neben einem Hummer, der aus seiner Höhle schaut auch einige Gorgonien, einen Schwarm Dorsche, große Pollacks, die immer wieder auftauchenden Lippfische und viele, viele Seeigel, die teils Handball groß sind.

Der Kelp streckt seine Blätter dem Licht entgegen und die beeindruckende Unterwasserlandschaft mit gewaltigen Felsbrocken zieht gemächlich an uns vorbei. Dave hatte Rrecht, die Strömung ist nicht zu stark, zudem findet man immer einen Platz mit Strömungschatten. Die Sicht liegt bei knapp 8m, die anderen Taucher sehen wir während des ganzen Tauchgangs nicht.

Wir tauchen flacher ins Riff hinein, denn hier soll die Strömung kaum spürbar sein. Stimmt, so können wir gemütlich auf 12m austauchen und schießen unsere Bojen an die Oberfläche. 3 Minuten auf 5 Meter den obligatorischen Stopp gemacht, der Computer ist auch zufrieden und an der Oberfläche kurz darauf warten, dass uns der Skipper sieht.

Es werden noch zwei Taucher gut 200 Meter von uns entfernt abgeholt, dann kommt Dave mit der Kitten zu uns rüber. Fest halten und ab an den Aufzug, der an der Seite des Bootes angebracht ist. Ja, man wird hier mit dem Aufzug an Bord gehievt. Keine schlechte Erfindung, gerade wenn die See rauer ist und die Ausrüstung schwer. Nach knapp 10 Minuten sind wir wieder am Strand angekommen, wo die nächste Gruppe schon darauf wartet, an Bord zu gehen.

Wir lassen es uns erst einmal im Beach Cafe mit einem leckeren Moccachino, einer Auswahl aus den 7-Sins und einem „12 hour roasted beef brisket“ (Rinderbrust die 12 Stunden im Smooker zubereitet wurde) gut gehen. Lecker und frisch ist das Essen bei Sam, der Betreiberin der gemütlichen Imbissbude am Strand. Wirklich sehr empfehlenswert.

Praxistipps Tauchen, Taucherfahrung & Ausrüstung

Cornwall bietet mehrere hundert Möglichkeiten Wracks oder andere Tauchplätze vom Boot aus anzufahren. Über 3000 dokumentierte Wracks gibt es rund um die Küste Cornwalls. Vielseitig vom Schwierigkeitslevel, bieten sie vom einfachen flachen Shore Dive, oft um die 10-15m auch Tauchgänge für wirklich erfahrene technische Taucher.

Viele Wracks liegen jenseits der 40m Marke und werden regelmäßig von einigen wenigen Tauchschulen angefahren. Das Tauchen kann als anspruchsvoll bezeichnet werden, denn oft entscheidet sich erst auf dem Boot, welcher Tauchplatz angefahren wird. Zudem sind freie Abstiege und Aufstiege, Trockentauchen, mehr oder weniger starker Seegang (oft auch mehr),  ab und zu Strömung und auch das Wetter, Faktoren die zu bedenken und bei der Einschätzung zu berücksichtigen sind.

Vorab sollte man sich immer erkundigen, was geplant wird, denn in der Praxis werden gerne auch tiefere Tauchgänge zwischen 40-60m angeboten. Dekotauchgänge sind für viele Taucher in UK nichts Ungewöhnliches. Der richtige Umgang mit Boje und Reel gehören als Grundvoraussetzung immer dazu. Meist gibt es nach der kurzen Frage nach dem Ausbildungslevel (wir sind alle Tauchlehrer) auch sofort ein Angebot zu einer Ausfahrt, bei der noch Plätze frei sind.

So werden wir auch direkt von Neil beim Besuch des Tauchshops von Seaways Diving in Falmouth dazu eingeladen, einfach mit raus zu fahren. Sie würden morgen einen Tauchgang im Norden von Cornwall anbieten. Er würde ungefähr bis 58m Tiefe gehen. Es geht allgemein recht locker zu, doch in den Unterhaltungen mit den englischen Tauchern von verschiedenen Tauchclubs bekommt man auch einen Eindruck, wie gut sie diese Ausfahrten immer wieder trainieren.

erstaunliche Artenvielfalt, bunte Fische wie in tropischen Meeren, Kelp, Sepias bei jedem TG, viele Wirbellose wie Seeigel, Seesterne, Seeanemonen, Hummer, Conger usw. Vielseitige Fotomotive bei jedem Tauchgang, individuelle Landtauchgänge rund um die Uhr machbar, Füllstation mit Nitrox und bis 300 bar, Tauchshop am Strand, Campingplatz und Apartments direkt an der Bucht gelegen, saubere sanitäre Anlagen, freundliches Personal, Bootsausfahrten mit 1 oder auch 2 TG möglich

Tauchen abhängig von der Wetterlage, bei starkem Wind kein Tauchen möglich, keine Parkplätze im Schatten (Hund), Wochenenden recht voll, Tauchen vom Boot ist anspruchsvoll (freie Aufstiege + Abstiege oft auf 30m mit max. Sicht von 6-8m),