Frank Rossow

Reisen & Berichte

Istrien – Kroatiens Norden

Istrien, der Norden Kroatiens lockt mit vielen berühmten Wracks und der relativ kurzen Anfahrt von Deutschland. Mit dem Auto machen wir uns auf den Weg zu einem Roadtrip durch Deutschland, Österreich, Slowenien und Kroatien

Sehr früh morgens mache ich mich auf den Weg von Enger nach Frankfurt, um dort meinen guten Tauchkollegen Volker einzupacken und weiter gen Kroatien zu fahren. Volker ist zwei Tage vorher aus Australien (dort lebt er) angekommen. Wie jedes Jahr machen wir eine gemeinsame Tour, um neue Tauchplätze zu erkunden. Dieses Mal stehen Wracks in Kroatien auf dem Plan – genauer gesagt, wir wollen in Istrien das berühmte Wrack der Baron Gautsch betauchen. Auf dem Rückweg durch Österreich soll es dann noch für 4 Tage zum Samaranger See gehen.

Die Anreise verläuft gut

Die knapp 1000 km von Frankfurt nach Pula vergehen wie im Flug, denn wir haben uns allerlei „Taucherlatein“ zu erzählen. Pläne für weitere Reisen wollen besprochen sein und wir fachsimpeln über unsere Hugyfot Unterwassergehäuse. Denn Volker hat sich seinen Traum schon 6 Jahre früher erfüllt und ich nehme gerne seine Tipps entgegen. Wir kommen gegen 17:00 Uhr am Campingplatz in Pula an, geben an der Tauchbasis unsere Ausrüstung ab und machen den obligatorischen Check-In. Wir hatten schon im Vorfeld abgeklärt, dass wir unbedingt zur Baron Gautsch wollen, wir beide Fotografen & Tauchlehrer sind und gerne mit Nitrox tauchen würden.

Die Tauchbasis hält nicht das, was sie versprach

Tja, auch wenn man versucht im Vorfeld alles abzuklären, kommt es oft anders als man denkt und die Verantwortlichen der Basis (Namen nennen wir nicht) es einem in diversen Mails vorher versprochen haben. Kurz gesagt, die Baron Gautsch wurde von dieser Basis nicht angefahren (angeblich zu wenig erfahrene Taucher), die Nitroxfüllanlage war defekt und wurde auch nicht repariert, und der Basisleiter hatte einen ausgeprägten Napoleonkomplex. Kleiner Mann mit großem Ego und wenig Ahnung. Nach 5 Tauchgängen war für uns auf dieser Basis Schluss, denn wir wurden von Tag zu Tag vertröstet an die Wracks zu kommen.
Kurz entschlosen fahren wir von Pula nach Rovinji, um dort eine vernünftige Tauchbasis zu finden, die uns zu den Wracks bringt.

In Rovinji werden wir auch schnell fündig. Stojan Babic der Chef der Tauchbasis Scuba Valdaliso Rovinj begrüßt uns in perfektem Deutsch und macht mit uns einen Rundgang. Ein cooler Typ, er fährt selber das Speedboot zu den Wracks und diese werden (wetterabhängig) fast jeden Tag angefahren. Hier sind wir richtig! Wir buchen für den nächsten Tag die Baron Gautsch und fahren vergnügt zu unserer Pension nach Pula zurück.

Infos Tauchbasis Scuba Valdaliso Rovinj

Das Diving Center Scuba Rovinji befindet sich auf dem Gelände des Autocamp & Mobilhome „Veštar“. Neben Stellplätzen für Wohnwagen und Zelte, gibt es über 50 Mobilhäuser in gehobenem Standard. Die Tauchbasis liegt am kleinen Yachthafen und bietet alles, was das Taucheherz begehrt. Nitrox, schattige Umkleiden, souveräne Leitung und ein schnelles Boot.

Schwierigkeit einfach bis anspruchsvoll (Wracks!!)
Sichtweiten 10 bis 15 m
Tiefe 5 bis 40 m
Strömung kann an den Wracks stark werden
Wassertemp. 18 °C bis 26 °C, ab 25m oft nur 18 °C
Beste Zeit Mai bis September

Grossfische kaum größere Fische
Fische Schleimfische, Meerbarben, Brassen, Schwarmfische, seltener Barakudas
Korallen erst ab großer Tiefe
Wracks Baron Gautsch, Hans Schmidt uvm.
Höhlen ——————–
Steilwände wunderschöne Abhänge – einfach zu betauchen
Besonderheit mehr als 10 Wracks zu betauchen

Hotel/Resort Capmingplatz & Mobilhome, gehobene Kategorie
Häuser Mobilhomes
Essen direkt neben der Tauchbasis gibt es ein gutes Restaurant
Strand Kiesstrand
Nightlife in den größeren Städten Rovinji & Pula
Kultur Amphitheater von Pula
„Must see“ Rovinji Altstadt, Pula Amphitheater

Die Baron Gautsch

Die Baron Gautsch gilt als eines der schönsten Wracks im Mittelmeer. Der ehemalige Luxusdampfer der österreichischen Handelsmarine lief auf eine Mine auf und liegt nun aufrecht in 40m Tiefe auf schlammigem Grund. Ca. 35 Minuten Fahrtzeit sind es von der Tauchbasis zum Wrack. Die Aufbauten liegen auf 30m, durch die erste Ebene taucht man auf ca. 32m Tiefe. Die Bauweise (Metall und viel Holz) lässt das Fotografenherz höher schlagen. Denn viel Licht dringt in die erste Ebene ein. Wobei das relativ ist, und auch mit den Sichtweiten die vorherrschen zusammenhängt.

Schnell machen wir uns fertig und springen als erste ins Wasser. Beim Abstieg merken wir schnell die zunehmend stärker werdende Strömung. Die Sicht wird ab 20m schlechter und sinkt auf 6-8m ab. Ganz schön duster hier unten, zudem wird es merklich kühler. Es sind nur noch 18° C. Wie beim Briefing vorher besprochen befinden wir uns am Heck im Strömungsschatten.

Heck eer Baron Gautsch - im Strömungschatten sind viele Fische zu finden

Heck der Baron Gautsch – im Strömungsschatten sind viele Fische zu finden

Volker im inneren der Baron Gautsch

Volker im Inneren der Baron Gautsch

Volker taucht voran ins Innere der Baron. Ich drehe schnell an meiner Iso-Einstellung – Iso 800 werden es dann schon, denn es ist dunkler als erwartet. Leider kommt uns eine Gruppe Taucher eines anderen Bootes entgegen. Sie bringen viele Schwebeteilchen mit sich und die Sicht wird schlagartig schlechter – kurz warten und dann die ersten Fotos machen. Wir tauchen weiter, komplett durch die erste Ebene.

Nach ein paar Minuten tauchen wir seitlich aus einer Öffnung ins Freie. Die Strömung verdriftet uns recht zügig Richtung Bug. Volker wollte unbdingt ein Foto vom Bug mit mir darüber schwebend. Na ja – bei der Strömung signalisiere ich kurz meine Bedenken, aber entschließe mich doch weiter zu tauchen – wie heisst es so schön „no risk – no fun“. Ich werde mehrmals über das Bug ins freie Wasser geblasen und die Sicht ist auch nicht so gut, als dass sich im Nachhinein der Aufwand wirklich gelohnt hätte.

Strömung und schlechte Sicht an der Baron Gautsch

Eine Gruppe von drei Holländern stört zudem unsere „Kreise“. Das war ein Satz mit „X“ – nix – mit einem schönen Bugfoto. Zurück geht es über die gesamte Länge des Schiffes zum Ankerseil. Der Kapitän hatte darauf bestanden, dass wir nicht mittig auftauchen sollten. Es wird ein ganz schöner Kampf, gegen die recht starke Strömung zurück zu paddeln, zumal die Fotoausrüstung ebenfalls viel Widerstand bietet.

Puh – die Atmung wird schneller und ich denke kurz an den Begriff Essouflement. Ich merke es wird eng. Die 15 Liter Flasche leert sich auch ganz schön schnell. Aber schon ist das Seil in Sicht und wir machen ein wenig relaxter noch ein paar Fotos. Volker der „alte Fuchs“, seines Zeichens ehemaliger Leistungsschwimmer (jetzt „nur“ noch 3. der australischen Rettungschwimmer Meisterschaften in der Alterklasse 40+), hat extra seine überlangen Apnoe Flossen an. Mist – da kann ich so nicht mithalten.

Am Seil geht es dann deutlich entspannter aufwärts zum Sicherungsstopp. Wir tauchen mit einem 32er Nitrox Mix und sind dennoch nicht ganz in der Nullzeit geblieben. Der Computer zeigt 8 Minuten Deko an. Wir machen zwei längere Dekostopps, als wenn wir mit Luft getaucht wären. Sicher ist sicher, zumal es ganz schön anstrengend war.

Zurück an Deck:

An Deck angekommen, sind wir fast die letzten. Nur ein Solotaucher mit Stages hängt noch am Seil. Ein Gast muss sich mehrmals wegen Überanstrengung übergeben (er hatte schon nach 10 Minuten den Tauchgang abgebrochen und vorher zuviel gefrühstückt). Unsere niederländische Truppe kommt mittig ca. 60m von uns entfernt an die Oberfläche. Sie haben es nicht gegen die Strömung ganz zurück geschafft und mussten vorher hoch. Wie so oft im Taucherleben – große Klappe und wenns drauf ankommt…la la la….Na ja – auch ich merke, es war nicht unanstrengend und deshalb sitzen wir dann auch recht müde, aber zufrieden beim leckeren Mittagessen.

Der nächste Tag steht auch im Zeichen des Wracktauchens:

Wir haben noch nicht genug und fahren deshalb am nächten Tag zur Hans Schmidt. Die Wracks sind wirklich lohnenswert, aber man sollte Erfahrung mitbringen.
Wieder fahren wir knapp 30 Minuten zum Tauchplatz. Die Hans Schmidt liegt auf einer ähnlichen Tiefe wie die Baron Gautsch. Der Tauchgang wird ähnlich anstrengend wie am Tag zuvor. Die Strömung ist eher noch ein wenig stärker geworden.

Es ist unser letzter Tag in Istrien, denn früh morgens soll uns unser kleiner „Roadtrip“ Richtung Österreich an den Samaranger See führen. Absolute Abwechslung. Erst Mittelmeer mit Wracks und 25 °C, dann ab in die Berge nahe Insbruck und auf 1000m Höhe im Bergsee bei 6° C tauchen. Aber das ist eine andere Geschichte…..

Recht kurze Anfahrt von Deutschland, preiswerte Unterkünfte in einfachen Pensionen oder  auf Campingplätzen, viele Wracks gut zu erreichen, Unterwasserleben mit viel Abwechslung, es wird Deutsch gesprochen

Das Essen in den Restaurants ist oft sehr „touristisch“ und wenig ansprechend (Imbissbuden Niveau), im Sommer sehr voll, oft überlaufen, wenig Natur & Ruhe, Wracks sind anspruchsvoll (nichts für Einsteiger), Auswahl der Basis ist wichtig, Gewitter und tauchfreie Tage sollten eingeplant werden