Frank Rossow

Reisen & Berichte

Samos – Die Insel des Pythagoras

Nur knappe 2 km ist Samos vom kleinasiatischen Festland durch die Meerenge von Mykali getrennt. Vom Klima begünstigt, bietet die Insel grüne Wälder, aber auch tiefblaues glasklares Wasser. Unterwasser erwarten den Taucher sehr gute Sichtweiten und unzählige farbige Schwämme – Überwasser die Freundlichkeit der Menschen und typisch griechische Köstlichkeiten.

Kurzfristig wollte ich im Juli 2016 meine neue Kamera im Hugyfot Gehäuse ausprobieren. Kurzentschlossen rief ich Axel Becker von Beluga-Reisen an. Axel kennt mich noch aus meiner Zeit bei den Extradivers in Ägypten. Also wollte er mich direkt zu den entlegensten Tauchzielen schicken. Das Jahr 2016 war jedoch wirklich hart für mich – und so wollte ich keine großen Abenteuer, sondern einen kurzen Flug, absolute Ruhe und relaxtes einfaches Tauchen.

Ruhig und beschaulich präsentiert sich Samos

Von Düsseldorf ging es über Wien nach Samos. Direktflüge waren nicht mehr zu bekommen, da durch die Flüchtlingskrise die Inseln nahe des türkischen Festlandes kaum gebucht wurden.
Das Hotel Kerveli Village in Kerveli war jedoch sehr gut besucht, denn es liegt einfach traumhaft abgeschieden an einer Bucht mit kaum touristischer Bebauung. Lediglich ein kleines Dörfchen mit geschätzten 50 Häusern liegt ca. 500m vom Hotel entfernt. Freundlich wurde ich empfangen und bekam mein kleines Einzelzimmer. Das Hotel liegt inmitten eines alten Olivenhains und ist terrassenförmig aufgebaut. Alte Koniferen mit 30m Höhe, Oilvenbäume und Zypressen, dazu blühender Oleander – so kommt schnell das richtige mediterrane Urlaubsfeeling auf.

Infos Tauchbasis Kerveli Village Diving Center by Beluga

Gastfreundschaft ist kein leeres Wort in Griechenland – sie wird gelebt. Dies merkt man auch beim Betrieb des familiär geführten Hotels und der Betreuung in der Tauchbasis. Für Ruhesuchende ist das Hotel ein echter Tipp. Die Tauchbasis ist für Anfänger und kleinere Gruppen, die entspanntes Tauchen suchen, ebenfalls nur zu empfehlen. Eine Woche lädt die Akkus wieder voll auf.

Schwierigkeit einfach
Sichtweiten 20 bis 40 m
Tiefe 5 bis 50 m
Strömung kaum Strömung
Wassertemp. 18 °C bis 24 °C, ab 20m oft nur 18 °C
Beste Zeit April bis Oktober

Großfische kaum größere Fische
Fische Goldstriemen, unzählige Drachenköpfe, Papageifische
Korallen erst ab großer Tiefe
Wracks kleines Wrack auf 44m
Höhlen Mönchsrobben verbergen sich darin
Steilwände wunderschöne Abhänge – einfach zu betauchen
Besonderheit klares Wasser, super Sicht, Sprungschicht ab 20m, viele Schwämme

Hotel/Resort einfaches Hotel 3***, sehr gemütlich, idyllisch gelegen
Häuser Kerveli Luxury Villa
Essen hervorragend, super lecker, im Hotel sowie in Tavernen
Strand Kiesstrand und eigene Sonnenwiese
Nightlife in den größeren Städten
Kultur Pythagoras, Altertümer, Polykrates
„Must see“ Inselerkundung mit Auto, unzählige Traumbuchten

Check-In bei der Tauchbasis von Giorgos

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Kurz das Zimmer bezogen und dann zum Check-In an die Tauchbasis.

Giorgos der Basisleiter begrüßt mich freundlich und zurückhaltend. Ob ich noch kurz überprüfen möchte wie es mit dem Blei aussieht und einen kurzen Check Dive in der Bucht machen möchte? Brauche ich nicht, finde die Idee aber gut. So passieren keine Überraschungen auf dem Boot.

Tja – hätte ich mal das Angebot angenommen. In der Aufregung meine neue Kameraausrüstung das erste Mal zu benutzen, vergesse ich am nächsten Tag meine Flossen im Tauchrucksack. Wie peinlich. Ich, der sonst nie etwas vergisst.

Aber darüber wird nonchalant hinweg gegangen und ich entschuldige mich mit einem Bierchen nach dem Tauchgang.

Geweihschwämme werden bis zu 1m groß

Geweihschwämme werden bis zu 1m groß

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Wir fahren mit dem Zodiac keine 5 Minuten über die große Bucht zum ersten Tauchplatz.

Zu viert springen wir ins Wasser und erkunden die griechische Unterwasserwelt. Die Sicht liegt bei geschätzten 40m, glasklar ist das 24 °C warme Wasser. Auf 20m angekommen, gibt es eine kleine Überraschung. Die Temperatur sinkt auf 18 °C. Dies liegt an der geografischen Lage.

Denn keine 6km entfernt, liegt das türkische Festland (Kusadasi) und dazwischen ein tiefer Graben, der bis zu 600m absinkt. Entsprechend viel kühleres Tiefenwasser wird noch oben gedrückt.

Erstaunlich viele kleine Drachenköpfe liegen versteckt zwischen Felsen.  Wir tauchen an einer Seegraswiese entlang langsam tiefer. Einige Steckmuscheln (Pinna nobilis) stehen aufrecht dazwischen. Einge Schwärme juveniler Mönchsfische (Chromis chromis) verbergen sich im Gras. Die Jungtiere färben sich im Alter um, und ihre Farbe wechselt zu grau-braun. Als Jungtiere sind sie noch kräftig blau-lila gefärbt.

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Wir schweben tiefer und ab 30m finden sich etliche imposante fast 1m hohe Geweihschwämme (Axinella verrucosa). Ein Flughahn (Dactylopterus volitans) ruht sich auf dem Sandboden in 32m Tiefe aus.

Es wird Zeit langsam den Rückweg anzutreten. Nach 60 Minuten kommen wir am Schlauboot an und fahren quer über die Bucht ca. 10 Minuten zu einem anderen Tauchplatz. Es gibt Sandwiches und etwas Obst für die ca. 40 minütige Oberflächenpause, dann beginnen wir den zweiten Tauchgang.

Der Tauchplatz bietet viele Überhänge. Darauf sind Krustenanemonen, rote Seescheiden (Halocynthia papillosa), blaue Krustenschwämme (Phorbas tenacior) neben einem roten Gitterschwamm (Crambe tailliezi) zu finden. Ich habe noch nie so viele Schwämme in so kurzer Zeit erblickt. 62 Minuten später geht es zurück zum Hotel.

Zwei entspannte Tauchgänge – früh sind wir zurück

Die Tauchgänge werden kurz hintereinander durchgeführt. Daher sind wir meist zwischen 13:30 und 14:00 wieder im Hotel zurück. So einen Ablauf kannte ich bislang noch nicht, aber der Vorteil liegt klar auf der Hand. Es ist noch viel vom Tag übrig, um gemütlich zu relaxen und die Seele baumeln zu lassen. Für mich führt der Weg meist an die Bar, um dort griechische Leckereien zum Mittag zu bestellen. Es gibt frischen Zaziki mit geröstetem Brot, Saganaki (gebratener Käse), verschiedene Salate und etwas Kühles zu trinken. So gestärkt, geht es dann zum Zimmer, kurz duschen und dann die ersten Bilder begutachten.

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Entspannt am Pool liegen und sich die Bilder der vorherigen Tauchgänge anschauen, dazu der laue Wind mit den Aromen der Insel. Was gibt es Besseres, um rundum zufrieden zu sein.
Laskaris der Barkeeper legt chillige Musik auf und versorgt mich mit kühlen Getränken und manch launigem Spruch. Griechische Weisheiten halt. Ich bin schon am ersten Tag von Griechenland begeistert. Man merkt, dass man es hier im Kerveli Village Hotel wirklich gut getroffen hat.

Die nächsten Tauchgänge mache ich mit Holger und Alex, einem Paar in meinem Alter. Beide sind erfahrene Taucher und haben Verständnis für den trödelnden Fotografen.

Die Insel möchte erkundet werden:

Nach 4 Tauchtagen mache ich einen Tag Pause, um mit einem Mietwagen die Insel zu erkunden. Das Hotel bietet einen eigenen Wagen-Verleih (zu günstigen Preisen) an. Früh um 8:00 mache ich mich auf Erkundungstour. Unzählige Traumbuchten reihen sich aneinander. Überall würde es sich lohnen zu verweilen. Um 12:00 reicht es jedoch erstmal mit der Fahrerei. Ich mache halt in Posidonion, einem beschaulichen Örtchen mit einer Bilderbuch-Bucht. Das Restaurant liegt direkt am Wasser und das Essen – einfach gut.

Mit der eigenen Yacht zum Mittagessen

Mit der eigenen Yacht zum Mittagessen

So kann man es sich gut gehen lassen. Das Essen hat mich restlos überzeugt. Ich habe in keiner einzigen Taverne oder Restaurant etwas nicht wirklich absolut Schmackhaftes bekommen. Das kennt man von spanischen Touristen-Restaurants eher anders. Griechenland – dein Essen ist der Hammer!

Weiter geht es höher hinauf. Ich fahre durch den duftenden Pinienwald in Serpentinen zum Kloster „Timiou Stavrou“. Hoch oben thront es über der Insel. Ein Aussichtspunkt verschafft mir einen guten Überblick und Ausblick. Nicht weit entfernt, ragt das türkische Taurus-Gebirge empor. Weit unten schimmert das tiefblaue Meer und eine kleine Badebucht zieht mich magisch an. Kein Wunder es sind 36 °C und es wird Zeit sich abzukühlen.

Auf dem Weg zur Bucht blockiert eine Ziegenherde den Weg. Na ja, der gute Käse muss ja irgendwoher kommen. In der Badebucht angekommen, döse ich gemütlich im Wasser treibend und merke, wie entspannt und zufrieden ich mich fühle.

So abgekühlt, geht es weiter auf Entdeckungstour, denn die Insel bietet neben viel Grün auch malerische Städtchen und allerlei Historisches zu entdecken. Eine Woche ist zu kurz, um alles zu sehen. Am nächsten Tag gibt es dann noch zwei ausgiebige Tauchgänge und schon geht es ans Koffer packen. Eine Woche war eindeutig zu kurz. Hier könnte ich es auch deutlich länger aushalten.

Gute Sichtweiten um die 30-40m. Glasklares Wasser. Ruhiges Hotel, traumhaft gelegen. Gutes Essen, griechische Gastfreundlichkeit. Zurückhaltende unaufdringliche Menschen. Sehr gut geführte Tauchbasis. Schwämme in jeglicher Form und Farbe. Entspanntes unaufgeregtes Tauchen. Früh vom Tauchen zurück. Viel Zeit zum Entspannen. Grüne Insel mit viel Historie. Restaurants und Tavernen bieten echte griechische Spezialitäten. Kein Massentourismus

Kaum Großfisch, allgemein wenig Fisch. Direktflug nicht immer zu bekommen.