Frank Rossow

Tiere & Natur

Einstieg in die Käferhaltung & Zucht

Die Schar enthusiastischer Käferhalter wächst ständig, und sie verfeinern ihre Zuchtmethoden fortwährend. Dank dieser Entwicklung ist eine zunehmende Vielfalt an Arten im Käfer-Hobby zu bestaunen. Darunter befinden sich einige der größten Insekten überhaupt, aber auch eine Vielzahl nur wenige Zentimeter großer, dafür jedoch knallig bunter Krabbler. Käfer machen einfach Spaß!

Käfer im Terrarium – ein Fest der Farben

Die Kunst, Käfer erfolgreich zu halten und zu züchten, stammt ursprünglich aus dem asiatischen Raum, vornehmlich aus Taiwan, Korea und Japan. Sie steht in diesen Regionen für eine alte Tradition mit kulturellem Hintergrund: Viele Jungen bekommen noch vor der Pubertät von ihren Verwandten eine Käferlarve geschenkt, um die sie sich kümmern sollen. Sie haben nun die volle Verantwortung für dieses Lebewesen und müssen für passende Rahmenbedingungen wie Platzangebot, Feuchtigkeit und Nahrung sorgen. Und sich in Geduld üben lernen, denn meist handelt es sich um Larven großer Hirschkäfer oder Riesenkäfer, deren Entwicklungszyklus 2–3 Jahre, aber auch länger dauern kann.

Wenn dann eines Tages endlich der Moment gekommen ist und sich aus der Larve ein prächtiger Käfer entwickelt hat, wird dieser gleich den Verwandten präsentiert. Denn aus Zustand und Details des Körperbaus des fertigen Käfers, beispielsweise der Ausbildung seiner „Hörner“, können die Angehörigen Rückschlüsse auf die Haltung und Pflege und damit auf das Verantwortungsbewusstsein des Beschenkten. Gibt es ein wundervolles, gesundes Tier zu bestaunen, gilt der Junge nicht mehr als Kind, sondern als erwachsener Mann, der nun eigene Verantwortung übernehmen kann.

Aber auch in den USA und in Europa sind Haltung und Zucht von Käfern seit einigen Jahren stetig auf dem Vormarsch. Niedrige Kosten für Energie und Futter sowie geringer Platzbedarf sind Vorteile, die ganz klar für diese außergewöhnlichen Haustiere sprechen. Ihr interessantes, oft fantastisch anmutendes und knallbuntes Äußere, außerdem der erstaunliche Entwicklungszyklus vom Ei über drei Larvenstadien mit Größen- und Gewichtszunahme bis hin zur Umwandlung zum fertigen Käfer, machen diese Wunder der Natur zu spannenden Terrarienpfleglingen, die man gerne und unkompliziert zu Hause beobachten und genießen kann.

Start ins Hobby

Es gibt verschiedene Wege, mit der Haltung von Käfern zu beginnen. In den meisten Fällen wird der Kauf von Larven bevorzugt, denn das Angebot ist groß, die Kosten dagegen gering. Die Larven kommen dann mit dem entsprechenden Substrat, das als Nahrung und Rückzugsort dient, in eine Aufzuchtbox, die je nach Art und Größe der Tiere unterschiedlich beschaffen sein sollte. Ein einfacher Kunststoffbehälter ist in der Regel eine gute Wahl. Bei kleinen Rosenkäfern reicht dabei ein Volumen von 2–5 l für etwa zehn Larven völlig aus. Für mehr Exemplare bzw. größer werdende Larven empfiehlt es sich, auf Plastikboxen beispielsweise von 40 x 20 x 30 cm zurückzugreifen, wie sie von Möbelhäusern oder Baumärkten angeboten werden

Kinshi

Kinshi

Die richtige Wahl des Substrates spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Larve zu einem großen, kräftigen Käfer. Hier hatten asiatische Züchter über Jahre hinweg mit ihrem Know-how gegenüber den deutschen Kollegen die Nase vorn. Denn teilweise fehlte hierzulande nicht nur schlichtweg das Wissen über spezielle Techniken, um gewisse Käferarten zur Eiablage zu bewegen, sondern oft standen auch die Spezialsubstrate nicht zur Verfügung, um Larven ihre wichtigen „Wohlfühlparameter“ bieten zu können.

Zunehmend kommt das Wissen aus Fernost jedoch zu uns, und in den letzten Jahren konnten sich durch erfolgreiche Nachzuchten damit auch sehr seltene und schwierig zu vermehrende, oft auch teure Arten im Hobby etablieren. Einige Pioniere der Käferzucht haben dabei wirklich bemerkenswerte Vorarbeit geleistet und ihr Wissen uneigennützig an Interessierte weitergegeben.

Im Groß- und Einzelhandel dagegen findet sich leider noch immer sehr viel in dieser Beziehung ungeschultes Personal, und daher wird aktuell oft auch nur an Wirbellosen angeboten, was seit Jahren bekannt ist – Spinnen, Skorpione und einige Phasmiden. Dabei bieten gerade Käfer ein enormes Potenzial, neue Liebhaber zu gewinnen und zu begeistern.

Neben dem Kauf von Käferlarven besteht eine weitere Möglichkeit darin, bereits adulte Exemplare zu erwerben, die sogenannten Imagines. Dies eignet sich besonders für Ungeduldige, die sich direkt an den interessanten Käfern und ihrem Verhalten erfreuen und mit der Nachzucht beginnen möchten. Eine geeignete Einsteigerart, einige Grundkenntnisse und das passende Zubehör reichen aus, um mit diesem schönen Hobby zu starten und erste Erfolge bei der Vermehrung zu erzielen.

Welche Arten sind erhältlich?

Zwar widmen sich einige Liebhaber beispielsweise auch den oft skurrilen, teils sogar überraschend farbenfrohen Schwarzkäfern, Laufkäfern oder anderen Gruppen – bei Weitem am beliebtesten sind jedoch Rosenkäfer(Scarabaeidae: Cetoniinae), Hirschkäfer (Lucanidae) und Riesenkäfer (Dynastidae).
Die meisten in Pflege und Zucht befindlichen Rosenkäfer stammen dabei aktuell noch aus Afrika. Die Zahl der Arten, die aus Südamerika und Asien zu uns kommen, steigt jedoch stetig – aufgrund zunehmender Nachfrage und entsprechend gezielter Bemühungen einiger Importeure.

Die vielen erhältlichen Hirschkäferarten dagegen kommen überwiegend aus dem asiatischen Raum, einige wunderschöne kleinere Arten auch aus Afrika. Die meisten der immer noch relativ seltenen und nur wenig verbreiteten Giganten unter den Käfern, die Riesen- oder auch Nashornkäfer, sind ursprünglich in Südamerika heimisch, werden aber mittlerweile in Japan und Taiwan in Perfektion nachgezüchtet. Dort zahlen Liebhaber Preise bis zu mehreren hundert Euro pro Tier – für immer neue Größen-Rekorde.
Günstigere und für Einsteiger bestens geeignete, recht einfach und schnell zu vermehrende, dabei jedoch nicht minder imposante Riesenkäfer sind die Arten der Gattungen Xylotrupes oder auch Chalcosoma. Sie kommen aus dem asiatischen Raum und werden regelmäßig als Wildfänge eingeführt.