Frank Rossow

Tiere & Natur

Rosenkäfer (Cetonidae)

Wenn Käferfreunde an Vertreter der Goliathini denken, haben sie meist spontan die besonders begehrten Riesen der Gattung im Sinn, Goliathus und Mecynorhina. Die Tribus der Goliathkäfer hat jedoch noch sehr viel mehr zu bieten: eine überwältigende Vielzahl an Arten, oft metallisch bunt und einfach wunderschön!

Ein „bunter Streifzug“ durch die Welt der afrikanischen Rosenkäfer

Die große Anzahl der Gattungen und damit die Anzahl der Arten lassen jedoch nur schwerlich einen Überblick auf wenigen Seiten zu. Der Tribus wird immer wieder von Wissenschaftlern und Systematikern bearbeitet und systematisch neu geordnet. So kommt es vor, dass Gattungsnamen in andere Gattungen umbenannt werden oder innerhalb bestehender Gattungen verschoben werden. So habe ich meinen ersten Rosenkäfer (1999) noch als Smaragdesthes africana oertzeni gekauft. Mittlerweile lautet der Gattungsname Chlorocala und die Art heißt Chlorocala. africana oertzeni (Kolbe, 1895). Diese Art ist in Kenia, Tansania, Malawi beheimatet.

Haltungsberichte zu einzelnen ausgewählten Käferarten bzw. Käfergattungen:

Arten für Einsteiger – Chlorocala, Eudicella & Co

Mecynorhina – große (bis 8cm) bunte Rosenkäfer mit Horn

Goliathus goliatus – der Goliathkäfer, König der Rosenkäfer

Stephanorhina – bunt wie Konfetti

Der Tribus Goliathini umfasst insgesamt mehr als 60 Gattungen, zu denen sich die unterschiedlichsten Käfer Arten zuordnen lassen, die in Farbe und Größe kaum unterschiedlicher sein könnten. So gehören neben der größten Rosenkäferart Goliathus goliatus, auch die wirklich winzigen Chlorocala mit kaum mehr als 1cm Größe dazu. Oftmals imponiert neben der Größe der Käfer, aber auch ihr stolzer Preis.  Denn die ganz großen Arten benötigen als Larve oft um die 1-2 Jahre um zu einem fertigen Käfer heran zu wachsen.

Die kleineren Arten sind nicht weniger farbenfroh als die Riesen unter den Rosenkäfern. Sie eignen sich besser für Einsteiger ins Hobby, denn bei ihnen kommt zusätzlich der Vorteil einer schnellen Vermehrungsrate dazu, sowie teilweise noch kräftigere Farben und die Möglichkeit, größere Gruppen in kleinen Terrarien pflegen zu können.

Die kleineren Arten der Gattung Chlorocala sind sehr weit im Hobby verbreitet, denn sie sind gut für Einsteiger geeignet und zudem auch für einen „schmalen Geldbeutel“ bezahlbar.

Die Geschlechter lassen sich bei den Imagines allein anhand einer Längsfurche auf der Unterseite des Abdomens der Männchen unterscheiden, welche den Weibchen fehlt. Bei vielen kleineren Vertretern des Tribus Goliathini fehlen dem männlichen Geschlecht die markanten Hörnchen oder Hörner bzw. Geweihe. Dies ist oft bereits im Gattungsnamen zuerkennen und zwar an der fehlenden Endung –rhina.

Allen Rosenkäfern des Tribus ist gemein, dass sie sich recht einfach vermehren lassen, nur geringe Ansprüche an das Zuchtsubstrat stellen und zudem Jelly als gute Futterquelle aber auch Ersatzfutter wie Pollen, Ahornsirup oder Früchte annehmen

Die auffälligen und überaus fröhlichen Körperfarben in Verbindung mit einem glänzenden Schillereffekt, lassen jeden Auto-Tuner mit seinen Metallic-Lackierungen vor Neid erblassen. Diese Farbgebung lässt uns diese Käfer als wunderschön empfinden, in der Natur haben sie u. a. den biologischen Effekt vor Sonnenstrahlung und damit Überhitzung zu schützen.

Systematik:
Familie: Scarabaeidae
Unterfamilie: Cetoniinae
Tribus: Goliathini
Gattungen:
• Amaurodes
• Aphanochroa
• Aphelorrhina
• Argyropheges
• Asthenorella
• Asthenorrhina
• Brachymitra
• Ceratorrhina
• Cheirolasia
• Chelorrhina
• Chondrorrhina
• Chordodera
• Coelorrhina
• Compsocephalus
• Cyprolais
• Daedycorrhina
• Dicellachilus
• Dicronocephalus
• Dicronorrhina
• Dyspilophora
• Eudicella
• Eutelesmus
• Fornasinius
• Genyodonta
• Gnorimimelus
Goliathus
• Hegemus
• Inhambane
Mecynorhina
• Megalorhina
• Melinesthes
• Neptunides
• Pedinorrhina
• Plaesiorrhina
• Priscorrhina
• Ptychodesthes
• Raceloma
• Ranzania
• Scythropesthes
• Smaragdesthes
• Smicorhina
• Spelaiorrhina
• Stephanocrates
• Stephanorrhina
• Taeniesthes
• Taurhina

Die bei vielen Arten vorhandene weiße Zeichnung oft in Form weißer Linien, entsteht durch wachsähnliche Substanzen, die aus besonderen Drüsen auf der Körperoberfläche austreten. Diese „Sekretfarben“ werden mit zunehmendem Alter dunkler und verblassen ein wenig.

Bei der Haltung mehrerer Arten in einem Terrarium ist in jedem Fall darauf zu achten, dass keine Arten einer Gattung zusammen vergesellschaftet werden, denn sonst besteht die Gefahr der Hybridisierung. Viele Arten einer Gattung vermehren sich untereinander. In der Natur sind solche Hybriden meist in den Übergangszonen mehrerer Arten anzutreffen.

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Männchen von Eudicella gralli alleari

Bugs-Facts
–rhina:= von griech. rhis, „Nase“
Herold’s Organ: dreieckige bis kleeblattförmige Struktur unter der Haut am Ende des Hinterleibs.
Elytren: Flügeldecken. Bleiben bei den Rosenkäfern während des Fluges geschlossen
Geschlechtsdimorphismus: deutlich durch Körpermerkmale zu unterscheidende Geschlechter

Abdomen = Hinterleib der Insekten
Beetle Jelly = kommerziell erhältliches Kunstfutter für Käfer
Elytron = harter Deckflügel. Die Elytra bleiben bei den Rosenkäfern während des Fluges geschlossen.
Imago = geschlechtsreifes Exemplar; von lat. imago (f.), „Gestalt“ – daher heißt es „die Imago“
Tribus = Rangstufe der Systematik zwischen Unterfamilie und Gattung; von lat. tribus (f.), „Abteilung“ – daher heißt es „die Tribus“.

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Männchen von Mecynorhina harrisii haben ein imposantes Horn

Befinden sich die Käfer in einer Gefahrensituation, spreizen einige Arten entweder ihre Hinterbeine nach oben oder tauchen ins Substrat ab. Arten wie Neptunides polychroos versuchen im Gegensatz dazu potentielle Angreifer mit ihren langen Vorderbeinen abzuwehren (siehe Foto). Oft wird zudem noch ein wenig des übelriechenden, recht flüssigen Darminhalts zur Abwehr genutzt. Dieser kann auch einige Zentimeter weit gespritzt werden (Vorsicht bei den Augen

Neben den ganz kleinen Vertretern wie Tmesorrhina alpestris bafutensis und Chlorocala findet man auch mittelgroße Arten wie Dicronorhina derbyana derbyana, die um die 3-5 cm groß werden können.

Die am häufigsten zu erhalten Arten (weit über 15 Arten der Gattung sind im Hobby verbreitet) stammen aus der Gattung Eudicella. Männchen und Weibchen zeigen einen sehr gut zu erkennenden Geschlechtsdimorphismu. Zudem gibt es neben der grünen Farbgebung auch satte Braun-, Gelb- und Ocker-Töne. Im Falle von E. aethiopica können sogar Kombinationen aus grünem Kopf und roten Elytren bestaunt werden. Die Käfer werden zwischen 2,5 und 3,5 cm groß und lassen sich auch in Gruppen gut pflegen.

Während Käfer aus der E. euthalia Gruppe meist recht leicht zu vermehren sind und hohe Ei-Mengen produzieren können (teilweise um die 80-100 Stück pro Weibchen), sind die Arten aus der E. gralli Gruppe etwas schwieriger zu vermehren und wie im Fall von Eudicella gralli hubini als Larve auch stark kannibalisch veranlagt.

Es lässt sich also festhalten, das man insgesamt keine pauschalen Aussagen über die genauen Ansprüche jeder Art in der Zucht treffen kann. Die Haltungsparameter sind jedoch fast immer identisch.

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Herold’s Organ im Kreis zu erkennen

Es besteht eine „eingeschränkte“ Möglichkeit, das Geschlecht der Imagines bereits im Stadium der L3-Larve zu erkennen. Denn das Herold’s Organ kann man mit ein wenig Geschick bei L3-Larven nutzen, um zu erkennen, welches Geschlecht nach dem Kokonbau der Larve zu erwarten ist. Männliche Larven weisen einen kleinen schwarzen Punkt auf. Schwer zu erkennen, vor allem da die Larven sich krümmen und als Abwehrmaßname Kot absetzen.

Bei Dynastiden und Lucaniden sieht es wiederum anders aus.

Fazit:

Dem Einsteiger aber auch dem erfahrenen Käferhalter ermöglicht die riesige Auswahl an Farben und Arten ein schier unerschöpfliches Potential sein Hobby voll auszuleben. Denn wie heisst es so schön? Erst wenn man es übertreibt, kann man es Hobby nennen.