Frank Rossow

Tiere & Natur

Goliathus goliatus der größte Rosenkäfer der Welt

Sein Name ist Programm, denn er fasziniert nicht nur durch seine enorme Größe, sondern auch durch seine enormen Kräfte: der Goliath-Rosenkäfer, ein Riese unter den Wirbellosen. Allerdings ist diese Art noch recht selten in Menschenobhut anzutreffen, denn die Nachzucht ist knifflig, wenn auch nicht unmöglich.

Zurück zur Übersichtsseite Rosenkäfer

DSC_0158

Männchen von Goliathus goliatus können bis zu 120 mm Länge erreichen

Goliathkäfer sind wundervolle und dementsprechend begehrte Tiere. Jedoch sind sie nicht einfach zu züchten, und darüber hinaus wird G. goliatus auch nur in geringer Stückzahl importiert, denn sein Fang in Afrika ist sehr aufwendig. Die Käfer bewohnen ein Verbreitungsgebiet, das sich vom Westen bis zum Osten Äquatorialafrikas erstreckt.

Die Gattung Goliathus umfasst fünf Arten: neben G. goliatus noch G. albosignatus, G. cacicus, G. orientalis und G. regius.

Nachgewiesen sind sie aus Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik, der Republik Kongo, der Demokratischen Republik Kongo, Gabun, Kenia, Nigeria, Tansania und Uganda. Hier findet man sie in Wäldern und Baumsavannen in mehreren Metern Höhe, wo die prächtigen Tiere Baumsäfte lecken oder an Früchten fressen.

Der Fang findet meist in den frühen, kälteren Morgenstunden statt, denn dann sind die Käfer meist sehr träge und wenig aktiv – ihre Flugmuskeln sind einfach noch nicht warm genug, um so einen schweren und massigen Riesen in die Luft zu heben. Dies ändert sich jedoch mit steigenden Temperaturen. Ab den Mittagstunden sind sie dann voll aufgewärmt, dadurch auch reaktionsschnell, und man kann die guten, eleganten Flieger kaum noch erreichen.

Die Haltung ist recht einfach – die Nachzucht umso schwieriger

Große L3 Larve (ca 14cm lang) – daneben eine L1

Große L3 Larve (ca 14cm lang) – daneben eine L1

Goliathus sind imposante Tiere, ihre Larven werden so groß wie Currywürste

Käfer der Gattung Goliathus sind aus den erwähnten Gründen noch überaus selten auf dem Markt. Angeboten wird meist G. goliatus, die anderen Arten sind kaum zu bekommen. Raritäten haben natürlich auch ihren Preis: Ein Paar kann derzeit 150 Euro oder mehr kosten. Larven ab L1 sind für 15-20,- zu erstehen, große L3-Larven die schon gute 18 Monate gepflegt wurden können um die 30,- kosten.

Die Haltung von G. goliatus gestaltet sich in den Grundzügen ähnlich einfach wie die anderer Rosen- und Goliathkäfer. Neben dem handelsüblichen Beetle Jelly werden auch reife Früchte wie Banane, Apfel oder auch Pflaume angenommen. Ahornsirup lecken die Käfer zusätzlich gerne, um ihren Zucker- und Feuchtigkeitsbedarf zu decken. Wichtig ist, dass immer genügend Nahrung angeboten wird, denn die Käfer nehmen darüber auch das gesamte benötigte Wasser auf.

Beetle Jelly ist ein Gelee und wird in verschiedenen Geschmacksrichtungen angeboten. Es ist in Fernost extra für die Käferhaltung und -zucht entwickelt worden und stellt durch enthaltene Proteine, Vitamine und weitere Inhaltsstoffe eine sichere und qualitativ hochwertige Weise der Ernährung von Käfern dar.

Beetle Jelly hält sich im geöffneten Zustand unter Terrarienbedingungen etwa eine Woche, somit können die Käfer unkompliziert ihren Bedarf an Feuchtigkeit und Energie decken. Gerade bei der Haltung in Wohnräumen bietet dieses Futter einen großen Vorteil gegenüber Früchten, denn beim Verfüttern von Obst kann schnell eine beachtliche Population an lästigen Fruchtfliegen entstehen.
Männchen von G. goliatus erreichen 50–110 mm Körperlänge, Weibchen 50–80 mm.

Für die Pflege dieser Art muss darum ein sehr geräumiges Terrarium eingeplant werden. Aufgrund ihrer Größe und Aktivität sollten Becken ab 80 cm Breite und einer Höhe von 60 cm verwendet werden. Möchte man mehr als ein Paar oder ein Trio halten, so sollte noch weit mehr Platz zur Verfügung stehen, denn die Männchen streiten gerne um die besten Plätze an den Futterstellen, und Rivalen werden durch Drücken und Hochheben mit dem Kopf immer wieder ausgehebelt und auf den Rücken geworfen. Der Größe des Terrariums sind nach oben keine Grenzen gesetzt, denn als gute Kletterer und Flieger können die Käfer jeden Ort erreichen.

Als Substrat eignet sich Laubwaldhumus, bestehend aus zerkleinertem Eichen- und Buchenlaub. Gerne verstecken sich die Käfer im Boden. Dort können die Weibchen auch einmal Ruhe vor den an den Futterstellen wartenden und oft aufdringlichen Männchen finden. Für eine reine Haltung ohne Zuchtabsichten reichen jedoch schon 10 cm Höhe des Substrats vollkommen aus.

Der freie Raum oberhalb des Bodengrunds kann kreativ mit Moos sowie Ästen zum Klettern und Aufrichten gestaltet werden. Gerade solchen Klettermöglichkeiten sollte besondere Aufmerksamkeit gelten, da die Käfer sich gerne in erhöhter Position aufhalten. Das Futter kann mit ein wenig Geschick ebenfalls in den höheren Lagen angeboten werden. So lassen sich die Käfer schön auf mehreren Ebenen beobachten.
Die Haltungstemperatur sollte18 °C nicht unterschreiten und kann bis 28 °C steigen. Heiße Sommer werden auch vertragen, nur sollten die Käfer vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden, damit sie nicht überhitzen und austrocknen.

Haltungsparameter im Terrarium:

AA_Goliathus_9

Terrarium mit entnehmbarer Zuchtbox

Eine angemessene Luftfeuchtigkeit von 60–80 % stellt sich durch erdfeuchtes, aber nicht zu nassesSubstrat von selbst ein. Um diese Werte zu erhalten, sollten je nach Umgebung des Terrariums die Lüftungsflächen des Beckens teilweise abgeklebt bzw. abgedeckt oder etwas verkleinert werden. Ein gelegentliches Sprühen alle 2–3 Tage mit warmem Wasser hilft, das Substrat vor zu schnellem Austrocknen zu bewahren.

Staunässe sollte wie gesagt vermieden werden, denn sonst entwickeln sich oft lästige Milben, die bei zu hoher Populationsdichte die Larven und die Puppe im Kokon schädigen können. Als Vorsorge gegen ein Übermaß an Milben hat es sich bewährt, Untermieter wie Springschwänze und Asseln ins Terrarium einzubringen.

Fü rdie reine Zucht verwendet man eher große Zuchtboxen mit möglichst großer Höhe um das Substrat tief einfüllen zu können. Gute Erfolge habe ich mit 60cm Tiefe gemacht. An der Oberfläche fülle ich sehr trockenes Substrat ein (ca. 5cm). Dies vermindert die erwähnten Probleme

 

 

Nachzucht von Goliathus – die richtige Larven Versorgung

Männchen von Goliathus goliatus

Männchen von Goliathus goliatus

Proteine und das richtige Substrat sind entscheidend für den Zuchterfolg

Eine echte Herausforderung stellt die erfolgreiche Vermehrung der Goliathkäfer dar. Galt G. goliatus noch bis vor wenigen Jahren als kaum nachzuzüchten, beweisen heutzutage talentierte Käferfreunde regelmäßig das Gegenteil. Es gibt dabei einige entscheidende Punkte zu beachten.

Bei Wildfangweibchen kann man meist davon ausgehen, dass sie bereits verpaart sind. Um jedoch sicher sein zu können, kann man ein Paar für etwa 24 Stunden in eine Box von ca. 20 x 20 x 20 cm setzen. Diese befüllt man mit wenig Substrat und einem Jelly. Meist wird das Weibchen nach kurzer Zeit ans Futter gehen, und das Männchen zögert in der Regel nicht lange, seine „Arbeit“ zu erledigen.
Je höher das Substrat im Terrarium ist, desto wahrscheinlicher kommt es zur einer Eiablage. Möchte man seine Käfer dazu bewegen, sollte der Bodengrund also mindestens 25-40cm tief sein, besser mehr. Die unteren 5 cm sollten kräftig mit geballter Faust verdichtet und angedrückt werden. Feuchtigkeit sollte fühlbar sein, jedoch darf dem Substrat beim Zusammenpressen kein Wasser entweichen. Der weitere Bodengrund wird locker eingeschüttet und sollte möglichst fein, also homogen zerkleinert sein.

Die Substratoberfläche sollte weitgehend mit Rinde oder Korkeiche abgedeckt werden, da die Weibchen ihre Legegänge vornehmlich unter solchen Verstecken anlegen. In freier Wildbahn vermeiden sie auf diese Weise, dass jeder neugierige Vogel oder sonst ein räuberisches Tier die Gänge zu den kostbaren Eiern oder den sich daraus entwickelnden Larven entdeckt.

Darüber hinaus können auch größere Äste in das Substrat gesteckt werden: Die Weibchen graben gerne an solchen festen Gegenständen entlang in die Tiefe.

Wenn alles gut verläuft, wird das begattete Weibchen bald ins Substrat abtauchen und beginnen, seine Eier abzulegen.

DSC_0182

Ei und frische L1 Larve – kaum vorstellbar wie groß sie als L3 einmal wird

 

Unter normalen Bedingungen kann mit bis zu 20 Eiern gerechnet werden, in seltenen Fällen auch mehr. Daraus schlüpfen nach knapp zwei Wochen kleine Käferlarven. Dieses erste Larvenstadium wird im Züchterjargon „L1“ genannt. Die Engerlinge vollziehen zwei Häutungen, bis sie im L3-Stadium angekommen sind und anfangen, deutlich an Gewicht und Größe zuzulegen. Frühestens 6–8 Wochen nach dem ersten Zuchtansatz kann das Substrat sehr vorsichtig mit den Fingern oder einem Löffel nach Larven durchsucht werden. Besser ist es jedoch, damit mindestens vier Wochen nach dem Tod der Elterntiere zu warten, denn viele Weibchen legen kurz vor ihrem Ableben noch einige Eier ab.

 

 

Bei zu häufigem und vor allem zu frühem Nachschauen und Graben im Bodengrund könnten die Eier oder die sehr kleinen L1-Larven beschädigt werden.
Sind Larven vorhanden, ist dies der erste große Erfolg und ein Meilenstein auf dem Weg zur nächsten Käfergeneration. Da die Engerlinge bei falscher oder nich tausreichender Prteinversorgung kannibalisch sein können, sollten sie nun in Behältern vereinzelt werden, die je zwei Liter fassen. Zudem kann sich jede Larve hier individuell in der ihr gemäßen Geschwindigkeit entwickeln und wird nicht durch ständigen Kontakt mit Artgenossen gestört. Die Larven können bis zum Kokonbau in diesen Vereinzelungsboxen belassen werden.

Als überaus erfolgreich hat sich eine Umstellung des Substrates für diese Phase erwiesen: Erfahrene Züchter verwenden hierfür das in Japan viel gepriesene Flake Soil. Dieses aufwendig durch einen Fermentationsprozess hergestellte Spezialsubstrat kann natürlich auch schon anstatt Laubwaldhumus als Eiablagesubstrat verwendet werden, seine wichtigen Eigenschaften kommen jedoch erst bei der Larvenaufzucht voll zum Tragen.

Flake Soil bietet dank des optimalen Zersetzungsgrades einen höheren Anteil an freier Zellulose und somit einen höheren Nährwert als reiner Laubwaldhumus. Goliathus-Larven benötigen viel Energie, um eine stattliche Größe und ein entsprechendes Gewicht zu erreichen. Zusätze für schnelleres, gesünderes Wachstum sowie eine höhere Masse in Form zerkleinerter Seidenraupenpuppen, Gammarus oderShrimps sorgen für ein Extra an Proteinen. In Japan gibt es sogar eigens für Goliathus-Larven entwickelte Proteinpellets. Solche Zusätze können alle 2-3 Tage in geringerMenge gegeben werden, denn sonst könnte es zu Schimmel- oder Milbenbefall kommen.

Männchen können stattliche 120 mm groß werden

Männchen können stattliche 120 mm groß werden

Ein Substratwechsel wird alle 6–8 Wochen durchgeführt: Hier ist das Fingerspitzengefühl des Halters gefragt, der darauf achten muss, dass immer genug unverbrauchtes Substrat zur Verfügung steht. Die großen Kotpillen sind gut zu erkennen, und spätestens wenn sie mehr als 50 % des Inhalts der Vereinzelungsbox ausmachen, ist ein Substratwechsel dringend angesagt. Bei diesem regelmäßigen Wechsel wird die Larve überprüft, eventuell gewogen, und das Depot des Proteinzusatzes wird mit etwa einem gestrichenen Teelöffel aufgefüllt, den man in eine Ecke des Behälters gibt.
Je nach Umgebungstemperatur 12–18 Monate nach der Eiablage und mehreren Substratwechseln in den Einzelboxen hat die Larve ein Vielfaches an Größe und Gewicht zugelegt und sich gelblich verfärbt. Diese Färbung entsteht durch umfangreiche Fetteinlagerungen, die sie braucht, um sich erfolgreich verpuppen zu können und genügend Energie zu haben, um die Entwicklung zur Imago zu vollziehen, also zum fertigen Käfer.

Größenvergleich - G. goliatus und kleiner G. albosignatus

Größenvergleich – G. goliatus und kleiner G. albosignatus

Die „Wanderphase“ der großen L3-Larven

Unter Züchtern von Goliathus g. wird ein Phänomen diskutiert, welches große L3-Larven kurz vor der Verpuppung zeigen. Die sogenannte „Wanderphase“, bei der die Larven an der Oberfläche ihrer Boxen aktiv hin und her wandern. Lange wurde darüber gerätselt warum sie dies tun. Mittlerweile sind die Erkenntnisse soweit, dass sie den richtigen Bodengrund suchen um sich zu verpuppen. Wichtig ist dabei ein Substrat anzubieten, welches einen hohen Ton-Anteil bzw. Sand-Anteil bietet.

In der Praxis sollte also eine ca. 2-3cm tiefe Schicht aus einem Ton-Sand-Gemisch in der späten L3-Phase (Larven verfärben sich gelblich und werden inaktiver) eingebacht werden.

Seltener Anblick - 18 Monate hat die Aufzucht gedauert, nun möchte die Imago schlüpfen

Seltener Anblick – 18 Monate hat die Aufzucht gedauert, nun möchte die Imago schlüpfen

Die Kokons sollten dann sehr trocken gelagetr werden. Frühestns nach 2 Monaten kann vrosichtig nachgeschuat werden, ob sich eine fertige Imago in dem Kokon befindet. Wobei Goliathus sehr empfindlich auf solche Störungen reagiert.

Das Märchen vom „Kannibalsimus“ bei Käferlarven

Immer wieder lese ich Aussagen, dass Käferlarven zum Kannibalismus neigen. In meinen Zuchten konnte ich dieses Phänomen nie dokumentieren. Sicherlich kann es schon einmal eine tote Larve geben. Dies kann durch einen Biß oder durch eine andere Verletzung passieren. Selbst die als kannibalisch beschriebenden Goliathus Larven halte ich teilweise zusammen in einer Box (tzeilwiese vereinzele ich sie auch noch). Dabei zeigt sich, dass 10Stk.  L3 Larven ohne weiteres in einer 20 Liter Box zusammen gehalten werden können.

Wichtig ist jedoch eine wöchentliche Fütterung mit Proteinen und Zusatzfütterung u.a. von Apfelstücken. Interessant zu beobachten ist dabei wie sich über Nacht die Larven die angebotenen Seidenraupen, Shrimps oder Gammarus von der Oberfläche hiab ziehen. Dabei sind Grablöcher von 15cm Tiefe zu erkennen,  Unten scheint die LArve wie an einem Trichter zu sitzen und sich dann an allem Verwertbaren was in ddeen Grabgang fällt bzw. an der Oberfläche befindet gütlich zu tun.

 

Zurück zur Übersichtsseite Rosenkäfer