Frank Rossow

Tiere & Natur

Mecynorhina – grosse Rosenkäfer mit Horn

Farbe satt. Rosenkäfer der Gattung Mecynorhina werden bis zu 80mm groß und zeigen unterschiedlichste Farbausprägungen. Die Männchen beitzen eine große Nase(griech. rhina = Nase)

Einige Arten der Gattung Mecynorhina aus der Tribus Goliathini erreichen annähernd die imposante Größe des Namensgebers dieser Rosenkäfer-Untergruppe, Goliathus. Neben schwierig zu vermehrenden Arten gibt es auch einige, die durchaus für Einsteiger geeignet sind. Und ein ganz neuer Trend: Aus Japan erreichen uns verschiedenste, wunderschöne Farbzuchten!

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Systematik:

Im Jahr 2010 legten DE PALMA & FRANTZ aufgrund morphologischer Studien eine umfassende Revision der Gattung vor und splitteten sie in mehrere Untergattungen.

Die aufgelisteten Arten und Unterarten sind laut dieser Arbeit sowie gemäß den Revisionen von ALLARD (1985, 1986, 1991) sowie HOLM & MARAIS (1992) gültig. Allerdings hält DE PALMA (schriftl. Mittlg.) die meisten der als Unterarten geführten Formen von M. polyphemus, M. torquata, M. oberthueri und M. passerinii lediglich für geografische Varianten, die keinen Unterartstatus verdienen.

Bis eine Revision dieser Formen erfolgt ist, bleibt aber ALLARDS Überarbeitung letzter Stand der Dinge, weshalb wir sein Konzept hier mit einfließen lassen

Mecynorhina_Gruppe - Kopie

Mecynorhina Gruppe

Mecynorhina (Mecynorhina) polyphemus
M. (M.) polyphemus polyphemus
M. (M.) polyphemus confluens

Mecynorhina (Chelorhinella) savagei
Mecynorhina (Chelorhinella) kraatzi

Mecynorhina (Mecynorrhinella) torquata
M. (M.) torquata torquata
M. (M.) torquata immaculicollis
M. (M.) torquata poggei
M. (M.) torquata ugandensis
Mecynorhina (Mecynorrhinella) oberthueri
M. (M.) oberthueri
M. (M.) kirchneri

Mecynorhina (Amaurodes) passerinii
M. (A.) passerinii passerinii
M. (A.) passerinii nigricans
M. (A.) passerinii dukei
M. (A.) passerinii rufotibialis
M. (A.) passerinii nyanzanus
M. (A.) passerinii linnei
M. (A.) passerinii natalensis
M. (A.) passerinii collinsi

Mecynorhina (Megalorhina) harrisii
M. (M.) harrisii harrisii
M. (M.) harrisii dedzaensis
M. (M.) harrisii eximia
M. (M.) harrisii haroldii
M. (M.) harrisii peregrina
Mecynorhina (Megalorhina) mukengiana
Mecynorhina (Megalorhina) taverniersi

Die Gattung Mecynorhina

Die Gattung Mecynorhina umfasst nach aktuellem Stand neun Arten mit einer Vielzahl von Unterarten, deren Status allerdings in vielen Fällen der Klärung bedarf (siehe Kasten oben). Die mit Abstand am häufigsten im Terrarium anzutreffenden sind M. polyphemus confluens, M. torquata immaculicollis und M. torquata ugandensis, seltener werden auch M. savagei und M. harrisii eximia gepflegt. Andere Arten wurden entweder noch nicht gehalten, oder die Zuchten verliefen wenig erfolgreich. Daher sind diese Käfer auch weiterhin trotz großer Beliebtheit nur sehr begrenzt erhältlich.

Vorkommen:

Die Arten der Gattung Mecynorhina besiedeln ein riesiges Verbreitungsgebiet, das sich vom Westen bis zum Osten Äquatorialafrikas erstreckt. Hier findet man sie in Wäldern und Baumsavannen, oft in mehreren Metern Höhe, wo die prächtigen Tiere mit ihren pinselartigen Mundwerkzeugen Baumsäfte aufnehmen oder an Früchten fressen.

Haltung:

Für die meisten Arten reichen zur Haltung eines Pärchens bereits Behältnisse oder Terrarien mit einem Volumen von knapp 40 l aus, bessersind 60 Liter. Es ist auf eine ausreichende Tiefe bei derZuchtbox zu achten. Mindetsens 20cm tief sollte das Substrat eingefüllt werden. Je nach Spezies, Anzahl, Aktivität der Käfer und ihrem bevorzugten Aufenthaltsort sind jedoch geräumigere Becken nötig. Alle Arten fliegen sehr gerne, zielgerichtet und gut. Wie bei allen Rosenkäfern sind dabei die Deckflügel geschlossen.
Als Substrat, insbesondere zur Eiablage, aber auch als Rückzugsort, eignet sich Laubwaldhumus. Bei der Einrichtung des Terrariums bleiben dem Halter viele gestalterische Möglichkeiten. Immer jedoch sollten sich Stöcke und Äste am Boden und in den Ecken der Behälter befinden, fallen die Käfer doch oft auf den Rücken und können sich dann mithilfe solcher Strukturen leichter wieder umdrehen. Ein auf dem Rücken liegender Käfer kämpft sonst stundenlang bis zur Erschöpfung, um wieder in die normale Position zu gelangen, was zu Austrocknung und Erschöpfung, ja schließlich sogar zu seinem Tod führen kann. Die Haltungstemperatur sollte wie bei allen Goliathini 18 °C nicht unterschreiten und kann bis auf 28 °C ansteigen. Einige Arten lassen sich nur bei höheren Temperaturen zur Zucht bewegen. Auch gibt es innerhalb der Gattung Mecynorhina einige spezielle Ansprüche an die Feuchtigkeit des Zuchtsubstrates.

Da die Generationenfolge oft über 14 Monate dauert, sind hier viele Erkenntnisse jedoch nur nach langer Zeit zu gewinnen. Schichtet man daher unterschiedlich feuchtes Substrat in Lagen von etwa 5 cm übereinander, hat das Weibchen die Möglichkeit, seine Eier dort abzulegen, wo sich ihnen die besten Chancen zur Entwicklung bieten.
Große Männchen mit beachtlichen Hörnern erzielt man durch eine Vereinzelung der Larven ab dem L2-Stadium. Hierzu sollten mindestens 2 l Volumen mit reinem, frischem Flake Soil eingeplant werden, das randvoll eingefüllt wird. Lüftungslöcher sind zwar nicht zwingend erforderlich, aber dennoch zu empfehlen, da die Behälter gewöhnlich länger stehen. Vier bis fünf kleinere Löcher reichen aus – zu viele Löcher können dazu führen, dass die geringe Menge an Substrat zu schnell austrocknet. Ein Befeuchten ist selten bis gar nicht notwendig, denn das Substrat bringt oftmals die richtige Grundfeuchte mit. Auch darf das Substrat während der Entwicklungsphase der Larve zu L3 im oberen Drittel abtrocknen, denn zum Kokonbau benötigt sie trockeneres Baumaterial. Es gilt also, besonders ab dieser Phase Staunässe zu verhindern, damit die Puppe nicht abstirbt.
Die Zugabe z. B. gemahlener Seidenraupenpuppen kann das Wachstum der Larven beschleunigen, sollte jedoch sparsam erfolgen: maximal ein halber Teelöffel pro Woche! Eine häufige Störung der Larve könnte zu Gewichtsverlust durch erhöhten Stress führen.

Mecynorhina torquata ugandensis

Mecynorhina torquata ugandensis

Bugs-Facts
–rhina:= von griech. rhis, „Nase“
Geschlechtsdimorphismus: deutlich durch Körpermerkmale zu unterscheidende Geschlechter
Imago = geschlechtsreifes Exemplar; von lat. imago (f.), „Gestalt“ – daher heißt es „die Imago“
L1, L2, L3 = Bezeichnung der drei Larvenstadien

Kokon = eiförmige Ummantelung der Puppe. Sie wird aus dem umgebenden Substrat und Darminhalt der Larve gebaut und dient als Schutzraum bis zum Schlupf der →Imago.
Flake Soil = aufwendig erzeugtes Spezialsubstrat für die Käferzucht
Beetle Jelly = kommerziell erhältliches Kunstfutter für Käfer
Imago = geschlechtsreifes Exemplar; von lat. imago (f.), „Gestalt“ – daher heißt es „die Imago“

Fotostory3

Männchen von Mecynorhina harrisii haben ein imposantes Horn

Nachzucht:

Die Vermehrung der meisten Mecynorhina-Arten unterscheidet sich kaum von der anderer Rosenkäfer. Einige Formen sind sehr gut für Einsteiger geeignet, z. B. M. polyphemus confluens oder M. torquata immaculicollis. Andere stellen deutlich höhere Ansprüche und erfordern mehr Ausdauer und Erfahrung.
Männchen tragen ein mehr oder weniger auffälliges Horn. Somit sind sie leicht von den Weibchen zu unterscheiden, deren Kopf unbewaffnet und flach bleibt. Für eine erfolgreiche Zucht ist eine hohe Substrattiefe anzustreben. Um erste Erfolge zu erzielen, reicht zwar eine Tiefe von 15 cm aus, allerdings empfehlen sich 25 cm oder mehr, damit bei den Grabaktivitäten insbesondere der Weibchen keine Eier oder L1-Larven beschädigt werden.

Käferzucht10

L3 Larve & Imago von MTU

In der Regel sollte die Substratfeuchtigkeit für die Eiablage derjenigen von frischem Waldboden entsprechen. Bei den meisten Arten ist mit 20–40 Eiern pro Weibchen zu rechnen. Meist dauert es drei Monate, bis die L3-Phase erreicht ist. Im dritten Stadium legen die Larven beachtlich an Größe und Gewicht zu, die von M. torquata ugandensis kommen sogar auf weit über 30 g.
Sehen die L3-Larven richtig prall aus und haben eine gelbliche Färbung angenommen, stehen sie kurz vor dem Bau ihres Kokons. Dann empfiehlt es sich, das Substrat langsam abtrocknen zu lassen oder ein Drittel vorgetrockneten Substrats im oberen Drittel der Box beizugeben. Die Larve kann sich so den idealen Platz zum Kokonbau auswählen, denn die Feuchtigkeitsparameter müssen stimmen, wenn sie sich erfolgreich zur Imago entwickeln soll.

Eine zu hohe Feuchtigkeit des Kokons kann zu Flügelfehlstellungen oder auch zum Absterben der Puppe durch Verfaulen führen. Übrigens hinaus sollten die Larven bestimmter Arten, z. B. M. savagei, möglichst früh vereinzelt werden, da sie zu Kannibalismus neigen können.

Mecynorhina-Porträts:

Mecynorhina polyphemus confluens:

Mecynorhina polyphemus confluens ist die im Hobby am besten etablierte Unterart der Gattung. Haltung und Zucht sind einfach, deshalb eignet sie sich gut für Einsteiger. Als Besonderheit der 4–7 cm großen Käfer fällt auf, dass Männchen immer ein mattes Grün auf den Flügeldecken tragen. Weibchen hingegen besitzen glänzend grüne Elytren. Natürlich fehlt ihnen darüber hinaus das für die Männchen typische Horn.
Diese Käfer werden zu Unrecht oft als „minderwertig“ angesehen, da sie sich erfreulich zahlreich vermehren und aufziehen lassen. In solchen Fällen erlischt häufig schnell das Interesse an einer Form. Leider verschwinden dann in der Folge solche doch oftmals interessante Käfer. Wenn dann nach einigen Jahren die Nachfrage wieder stark ansteigt, erzielen sie erneut stolze Preise. Dann sind die meisten jedoch aus den Beständen verschwunden, und es ist äußerst schwierig, an neue Exemplare zu gelangen.

Mecynorhina torquata ugandensis:

Mecynorhina torquata ugandensis – vor allem die in Japan gezüchteten Farbmorphen – stellt die derzeit populärsten Vertreter der Gattung. Wie der Name schon vermuten lässt, stammt diese Unterart aus Uganda, jedoch auch aus benachbarten Ländern. In Japan ist sie als Ugandenshisu bekannt.
Die bis 8 cm großen Käfer haben normalerweise eine Färbung aus Grün- und Brauntönen, die teilweise mit weißen Linien durchzogen ist. Japanische Züchter bieten jedoch mittlerweile über 60 verschiedene Kombinationen an Farben oder Musterungen dieser Käfer an. Zuchtstämme sind in Rot, Braun, Blau, Grün und Schwarz sowie deren Kombination erhältlich, außerdem in Mischfarben wie Lila. Weiße Streifen können vorhanden sein oder fehlen. Mit dieser Vielfalt gleicht kein Käfer dem anderen. Selbst bei gleichfarbigen Elterntieren können die Nachkömmlinge komplett anders aussehen, und die Spannung vor dem Schlupf der nächsten Generation bleibt stets erhalten.
Vermutlich eine durch Geschwisterzucht erfolgte Inzuchtdepression sowie die starke Selektion auf bestimmte teuer verkaufte Farbschläge wie Blau oder Schwarz haben leider zu einer sinkenden Fruchtbarkeit der Weibchen geführt. So kann mittlerweile oft mit kaum mehr als 15–20 Eiern pro Weibchen gerechnet werden. Für neu auftretende Varianten werden zunächst horrende Preise von mehreren hundert Euro gezahlt. Die Nachfrage in Nippon ist dann meist so hoch, dass kaum bezahlbare Zuchttiere nach Europa und Deutschland gelangen. Glücklicherweise gibt es mittlerweile jedoch auch in Deutschland einige hervorragende Züchter, die große Mengen von Larven erzielen, sodass die Versorgung mit diesen begehrten Käfern gesichert ist.

Mecynorhina torquata immaculicollis:

Diese Unterart aus West- und Zentralafrika ist ebenfalls einfach zu vermehren. Beide Geschlechter bestechen durch ihre kräftigen, hellen Grüntöne. Haltungsparameter und Ansprüche sind identisch mit denen von M. t. ugandensis. Die zu erwartende Menge an abgelegten Eiern ist jedoch deutlich höher.

Mecynorhina immaculicolis

Mecynorhina immaculicolis

Mecynorhina harrisii eximia:

Mecynorhina harrisii eximia kommt in Tansania, Uganda und Kenia vor. Die Käfer erreichen eine für die Gattung relativ geringe Größe von maximal 5 cm. Dies machen die Männchen jedoch mit einem sehr langen, im Verhältnis zum Körper beeindruckenden, kräftig gebauten Horn wieder wett. Die Nachzucht ist für Fortgeschrittene unproblematisch. Besonders hervorzuheben ist jedoch die lange Verweildauer der Puppe im Kokon von bis zu zehn Wochen.

Mecynorhina savagei:

Mecynorhina savagei stammt aus einem großen Verbreitungsgebiet in West- und Zentralafrika. Aufgrund ihrer kontrastreichen gelb-schwarzen Zeichnung ist diese Art bei vielen Haltern sehr begehrt. Besonders fällt die metallisch blaue Farbe der häutigen Flügel auf, die man aber leider nur sehr selten zu sehen bekommt, denn sie werden nur kurz vor dem Abheben sichtbar. Die Größe der sehr seltenen erhältlichen Art beträgt 4–8 cm. Leider gehört M. savagei zu den schwerer zu vermehrenden Formen der Gattung und konnte sich daher noch kaum Hobby etablieren. Das Hauptproblem ist jedoch die meist geringe Anzahl an Eiern pro Weibchen, die im Normalfall um die 15–20 beträgt. Ein frühzeitiges Vereinzeln in 2-l-Behälter ist daher ratsam. Die Generationszeit vom Ei zum Käfer beträgt in etwa 9–12 Monate, Imagines leben 4–6 Monate.

Mecynorhina oberthuri:

Aufgrund ihrer kontrastreichen orange-schwarzen Zeichnung ist diese Art bei vielen Haltern sehr begehrt. Die Größe der sehr seltenen erhältlichen Art beträgt 4–7 cm. Leider gehört M. oberthuri zu den schwerer zu vermehrenden Formen der Gattung und konnte sich daher noch kaum Hobby etablieren. Das Hauptproblem ist die meist geringe Anzahl an Eiern pro Weibchen, die im Normalfall um die 15–20 beträgt und zudem in der Kokonphase viele Puppen absterben. Ein frühzeitiges Vereinzeln in 2-l-Behälter ist daher ratsam. Die Generationszeit vom Ei zum Käfer beträgt in etwa 9–12 Monate, Imagines leben 4–6 Monate.

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